Die meisten Checklisten zu diesem Thema lesen sich wie eine Aufzählung von Selbstverständlichkeiten. Responsive muss sie sein, schnell soll sie laden, gut aussehen sowieso. Das stimmt alles, hilft aber wenig, wenn man tatsächlich vor der Entscheidung steht, eine neue Website bauen zu lassen.
Deshalb hier eine andere Art Liste. Keine Punkte, die ohnehin jeder nennt, sondern die, an denen es in der Praxis tatsächlich hakt, wenn Unternehmen eine Firmenwebsite erstellen lassen. Nach über 170 Projekten weiß ich, wo die Unterschiede zwischen einer Website, die funktioniert, und einer, die nur online ist, wirklich liegen.
Technik: Das Fundament, das niemand sieht und jeder spürt
Ladezeit unter zwei bis drei Sekunden, auf dem Handy gemessen. Nicht am Desktop im Büro mit schnellem WLAN. Ein Kunde von uns hatte eine inhaltlich gute Website mit kaum Sichtbarkeit bei Google. Der Grund war keine Content-Schwäche, sondern eine Ladezeit von über sechs Sekunden auf dem Smartphone. Nach der technischen Optimierung verbesserten sich die Rankings innerhalb von sechs Wochen, ohne einen einzigen neuen Satz Text.
Sauberer, individueller Code statt aufgeblähter Page-Builder. Viele Baukastensysteme und WordPress-Page-Builder produzieren im Hintergrund enorme Mengen an überflüssigem Code. Das Ergebnis sieht im Editor gut aus, lädt aber langsam und lässt sich später nur schwer erweitern.
HTTPS als Standard, nicht als Zusatzoption. Sollte 2026 selbstverständlich sein, ist es in der Praxis immer noch nicht überall.
Hosting, das zur Website passt. Ein Zwei-Euro-Tarif für eine Website, die Anfragen generieren soll, ist die falsche Stelle zum Sparen. Wenn die Seite bei einer Kampagne oder einem Presseartikel einbricht, kostet das mehr als das Hosting im ganzen Jahr gespart hätte.
Struktur, Inhalt und Nutzerführung bei Firmenwebsites
Das ist der Bereich, in dem die meisten Websites scheitern, auch wenn die Technik einwandfrei ist. Eine Seite kann technisch perfekt und trotzdem unbenutzbar sein.
Klare visuelle Hierarchie. Der Nutzer muss in Sekunden erkennen, was auf einer Seite wichtig ist und was nicht. Wenn Überschrift und Fließtext optisch kaum zu unterscheiden sind, übernimmt der Besucher die Sortierarbeit selbst, und die meisten tun das nicht lange.
Nutzerführung ohne unnötige Hürden. Jeder Schritt, der nicht direkt zum Ziel führt, ist eine zusätzliche Gelegenheit zum Abspringen. Das gilt für Kontaktformulare genauso wie für mehrstufige Anfragestrecken oder Konfiguratoren.
Mobile zuerst gedacht, nicht nachträglich angepasst. Der Großteil der Besucher kommt heute über das Smartphone. Eine Website, die zuerst für den großen Bildschirm entworfen und danach für Mobile zurechtgestutzt wird, merkt man an genau den Stellen, an denen es darauf ankommt.
Ausreichender Kontrast, auch bei Text auf Bildern. Ein häufiger Fehler, gerade im Hero-Bereich: helles Bild, heller Text, oder umgekehrt. Die wichtigste Botschaft der ganzen Seite wird dadurch unlesbar.
Eine klare Handlungsaufforderung pro Seite. Der Besucher sollte nie raten müssen, was der nächste Schritt ist. Ein Kontaktformular, ein Anruf, ein Angebot anfordern, egal was, aber eindeutig.
Wer eine Firmenwebsite erstellen lassen möchte, sollte diesen Bereich genauso ernst nehmen wie das fertige Design.
SEO-Fundament, das von Anfang an mitgedacht wird
SEO nachträglich draufzusetzen funktioniert schlechter als SEO von Beginn an mitzudenken. Ein paar Punkte, die beim Launch stehen sollten, nicht erst Monate später:
Eine URL pro Thema. Wenn mehrere Seiten derselben Website um dieselbe Suchanfrage konkurrieren, schwächt das beide. Das klingt technisch, ist aber einer der häufigsten Gründe, warum Websites trotz guter Inhalte schlecht ranken.
Saubere Title-Tags und Meta-Descriptions, individuell pro Seite, nicht die immer gleiche Vorlage mit ausgetauschtem Ortsnamen.
Strukturierte Daten, wo sie sinnvoll sind, etwa für lokale Unternehmen oder FAQ-Bereiche. Das entscheidet mit, ob eine Seite in Suchergebnissen mit Zusatzinformationen erscheint oder als einfacher blauer Link.
Eine korrekte Sitemap und Indexierung von Anfang an. Eine Website, die Google nicht richtig zeigt, was sie hat, wird auch nicht gefunden, egal wie gut der Inhalt ist.
Rechtliches, ohne Kompromisse
Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Consent, DSGVO-konform umgesetzt. Der Bereich, in dem Nachlässigkeit am schnellsten teuer wird.
Barrierefreiheit nach BFSG. Seit Juni 2025 gesetzliche Pflicht für einen Großteil der Unternehmen mit digitalen Angeboten. Kein Nischenthema mehr, sondern ein Punkt, der bei jeder neuen Website mitgedacht werden muss, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Was in der Praxis am häufigsten übersehen wird
Ein klar definiertes Ziel. Was soll die Website liefern, was soll sie kommunizieren? Das klingt nach der ersten Frage überhaupt, wird aber in der Praxis oft übersprungen. Häufig hängt das mit einer fehlenden Markenpositionierung zusammen. Wenn intern nicht klar ist, wofür ein Unternehmen steht, kann eine Website das auch nicht vermitteln, egal wie gut sie gestaltet ist.
Die Sicht der Besucher statt nur die eigene. Viele Unternehmen sehen bei ihrer Website vor allem sich selbst: was man sagen will, welche Leistungen aufgezählt werden sollen, welche Auszeichnung noch Platz braucht. Was dabei fehlt, ist Kundenzentrierung. Was sucht jemand, der auf dieser Seite landet, welche Frage hat er im Kopf, welche Antwort braucht er, um den nächsten Schritt zu gehen. Eine Website, die nur die Innensicht des Unternehmens abbildet, wird für Außenstehende selten überzeugend. Sie sollte in erster Linie dem Besucher dienen, nicht dem internen Wunsch nach Vollständigkeit.
Neben inhaltlichen Lücken gibt es einen zweiten Bereich, der Projekte teuer macht, ganz unabhängig von Technik oder Design: der Prozess selbst.
Nachgereichte Wünsche. Ein Feature, das erst nach Projektstart auftaucht, kostet fast immer mehr als dieselbe Anforderung, die von Anfang an bekannt war. Nicht weil es aufwendiger wäre, sondern weil bereits getroffene Entscheidungen wieder aufgerollt werden müssen.
Zu viele Korrekturschleifen. Eine Website, die dreimal komplett umgeworfen wird, wird selten besser als der erste durchdachte Entwurf. Sie wird nur teurer und später fertig.
Zu viele Beteiligte. Je mehr Personen und Dienstleister an einer Entscheidung mitwirken, desto länger dauert jede einzelne Freigabe, und desto wahrscheinlicher widersprechen sich die Vorgaben. Ein Projekt mit einem klaren Ansprechpartner auf beiden Seiten ist fast immer schneller fertig als eines mit fünf Beteiligten, die alle mitreden dürfen.
Was das für Ihre Firmenwebsite bedeutet, wenn Sie sie erstellen lassen
Nicht jede Firmenwebsite, die Sie erstellen lassen, braucht jeden dieser Punkte in maximaler Ausprägung. Eine kleine Handwerker-Website hat andere Prioritäten als eine Kampagnen-Landingpage für ein Finanzinstitut. Was in jedem Fall gilt: Technik, Struktur und rechtliche Basis sollten von Anfang an mitgedacht werden, nicht als Nachbesserung nach dem Launch.
Wer diese Punkte vor der Beauftragung kennt, stellt die richtigen Fragen und erkennt schneller, ob ein Angebot hält, was es verspricht.