E-Commerce

Online Shop erstellen — Der ehrliche Leitfaden

Die meisten unterschätzen beim Online-Shop-Aufbau nicht die Technik, sondern was danach kommt. Der Shop ist live — und dann kommen die Überraschungen: Zahlungsgebühren, laufende Updates, Marketing, das nirgendwo eingeplant war. Dieser Leitfaden zeigt, was ein Shop wirklich kostet, welches System langfristig passt und warum die Technik das kleinste Problem ist.

Nach über 25 Jahren Webentwicklung und dutzenden umgesetzten Projekten wissen wir: Die teuersten Fehler entstehen nicht beim Bauen, sondern beim Planen — oder besser: beim Nicht-Planen.

Was ein Online Shop wirklich kostet

Die ehrliche Antwort ist: Es gibt keine pauschale Zahl. Aber es gibt eine verlässliche Orientierung nach Variante. Das Problem mit „kostenlosen“ Angeboten ist nicht der Aufbau, sondern der Betrieb.

VarianteAufbau einmaligBetrieb pro JahrFür wen
Baukasten (Wix, Squarespace)0 – 500 €300 – 900 €1–20 Produkte, schneller Start
Shopify Basic (33 €/Monat)500 – 2.000 €396 – 600 € Abo + TransaktionsgebührenDropshipping, unkomplizierter Einstieg
WordPress + WooCommerce (selbst)500 – 2.000 €150 – 300 €Technikaffine mit Zeit
WordPress + WooCommerce (Agentur)5.000 – 8.000 €200 – 400 €Professioneller Aufbau, langfristig
Magento / Enterpriseab 15.000 €ab 2.000 €2.000+ Produkte, Großunternehmen

Alle Werte netto, ohne Zahlungsgebühren. Shopify-Preise laut shopify.com/de/preise, Stand Juni 2026.

Was in diesen Zahlen nicht auftaucht: Zahlungsgebühren. Stripe und PayPal nehmen 1,5–2,9 % pro Transaktion plus ca. 0,25–0,30 € fix. Bei 100 Bestellungen à 60 € im Monat sind das 90–175 € — jeden Monat, unabhängig vom Shop-System. Wer das nicht einkalkuliert, rechnet sich schön.

Und dann ist da noch die Zeit. Wix-Tarife werben mit „einfach“, aber irgendjemand muss die Oberfläche lernen, Produkte pflegen, Fotos hochladen, Texte schreiben. Das kostet entweder eigene Stunden oder fremde.

Welche Shop-Systeme gibt es — und welches passt zu dir?

Es gibt grob vier Kategorien, und die Unterschiede sind größer als sie auf den ersten Blick wirken.

Baukästen: Wix, Squarespace, Jimdo

Der Einstieg ist einfach und schnell. Du baust ohne Programmierung, bekommst Hosting, Support und Design in einem Paket. Das klingt gut — und für 1–20 Produkte, die du schnell testen willst, ist das auch vertretbar.

Das Problem kommt später. Baukästen sind geschlossene Systeme. Du sitzt auf deren Infrastruktur, nach deren Regeln, zu deren Preisen. SEO-Kontrolle ist eingeschränkt, individuelle Features kaum umsetzbar, und wenn du irgendwann wechseln willst, baust du von Null. Produktdaten, Kundenhistorie, SEO-Rankings — nichts lässt sich sauber exportieren.

Für einen ernsthaften Shop, der mehr als ein Jahr laufen soll, sind Baukästen der falsche Start.

Shopify

Shopify ist zuverlässig, das Dashboard ist gut, und der App Store deckt die meisten Anforderungen ab. Für Dropshipper und schnelllebige Nischen ist das eine vernünftige Wahl.

Was viele erst merken, wenn es zu spät ist: Shopify ist ein geschlossenes Ökosystem. Deine Daten liegen bei Shopify. Shopify kann Regeln ändern, Gebühren erhöhen, dein Geschäftsmodell als nicht konform einstufen. Das ist in der Praxis selten, aber es passiert — und wenn, sitzt du fest. Dazu kommen bei externen Zahlungsanbietern Zusatzgebühren von 1–2 % pro Transaktion, die Shopify selbst einbehält. Bei Basic sind das 2 %, bei Grow noch 1 %. (Quelle: Shopify.de, Juni 2026)

Das macht Shopify mittelfristig teurer als es auf den ersten Blick aussieht — vor allem wenn der Umsatz steigt.

WordPress + WooCommerce

Open Source, volle Kontrolle, niemand kann dir die Plattform wegnehmen. WordPress betreibt laut W3Techs (2025) über 43 % aller Webseiten weltweit — nicht weil es das einfachste System ist, sondern weil es das flexibelste ist.

WooCommerce ist kostenlose Software. Was Geld kostet, ist der Aufbau. Selbst gemacht für 500–2.000 €, wenn du Ahnung hast und Zeit. Mit Agentur für 5.000–8.000 €, wenn du einen Shop willst, der in drei Jahren noch sauber läuft. Die Software-Kosten danach: Hosting bei 12–25 € im Monat, Domain bei 10–15 € im Jahr. Keine Transaktionsgebühren an die Plattform, keine App-Abhängigkeit.

Der Nachteil ist real: Du trägst Verantwortung. Updates müssen gemacht werden, Sicherheit musst du mitdenken, ein guter Hoster ist Pflicht. Wer das outsourcen will, zahlt dafür — aber immer noch weniger als bei Shopify auf Dauer.

Spezialsysteme: Magento, BigCommerce, Headless

Für 10.000+ Produkte, multinationalen Betrieb oder hochkomplexe Prozesse. Jenseits von 2.000 Produkten wird WooCommerce ohne spezielle Optimierung langsam — dann braucht es eigene Lösungen. Das ist aber für die allermeisten Unternehmer keine relevante Frage.

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Baukasten, Shopify oder WooCommerce — die Antwort hängt von deinem Vorhaben, deiner Produktanzahl und deinem Budget ab. In einem kostenlosen Gespräch klären wir das in 30 Minuten.

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Die Kostenlos-Illusion — was Baukästen wirklich kosten

„Wix ist kostenlos“ — das stimmt für die ersten Wochen. Danach fängt das Rechnen an.

Wix E-Commerce-Tarif (35 €/Monat) über drei Jahre, bei einem Umsatz von 5.000 € pro Monat:

  • Monatliche Grundgebühr: 420 € pro Jahr, 1.260 € über drei Jahre
  • Domain: 15 € pro Jahr, 45 € über drei Jahre
  • Premium-Apps und Erweiterungen: 200 € im Jahr 1, steigend auf 400 € in Jahr 3 — insgesamt 900 €
  • Zahlungsgebühren bei 2,9 %: 1.740 € pro Jahr, 5.220 € über drei Jahre

Summe nach drei Jahren: 7.425 € — ohne Marketing, ohne Produktfotos, ohne deine Zeit. Und wenn du dann wechseln willst, baust du neu.

Ein WooCommerce-Shop kostet bei uns einmalig ab 5.000 € für den Aufbau, dann 200–400 € pro Jahr im Betrieb. Nach drei Jahren liegt die Gesamtrechnung in ähnlicher Größenordnung — aber du hast volle Kontrolle, deine Daten gehören dir, und niemand kann die Spielregeln ändern.

Die eigentliche Frage ist nicht, welches System billiger ist. Sondern: Willst du monatlich zahlen für etwas, das dir nicht gehört?

Wie viele Produkte passt auf welches System?

Eine Frage, die oft zu spät gestellt wird. Nicht wie viele Produkte ein System kann, sondern wie viele es gut kann:

  • 1–20 Produkte: Wix, Shopify Basic oder WooCommerce funktionieren alle. Wix ist am schnellsten live, WooCommerce am günstigsten im Betrieb.
  • 20–200 Produkte: Jetzt braucht es saubere Kategorien, Filter, Produktvariationen. Shopify oder WooCommerce, professionell aufgebaut.
  • 200–2.000 Produkte: WooCommerce mit Datenbankoptimierung, Pagination, einer vernünftigen Suchfunktion. Selbst aufbauen wird hier riskant.
  • 2.000+ Produkte: Magento oder Headless-Architektur. Ein Standard-Setup wird bei dieser Menge langsam und fehleranfällig.

Ein Baukasten mit 500 Produkten ist in der Praxis langsam und unübersichtlich. Ein WooCommerce mit 10.000 Produkten ist schnell — wenn es richtig gebaut ist. Die Systemwahl und die Skalierbarkeit müssen von Anfang an zusammenpassen.

Der häufigste Fehler: Shop läuft, aber keiner kauft

Du hast den Launch gefeiert. Die Seite sieht gut aus. Und dann: wenig Besucher, noch weniger Käufe.

Das liegt fast nie an der Technik. Es liegt daran, dass 70,19 % aller Online-Warenkörbe abgebrochen werden — das ist der Durchschnitt, den das Baymard Institute aus 49 unabhängigen Studien erhoben hat. (Quelle: Baymard Institute, 2025) Die häufigsten Gründe:

  • Unerwartete Versandkosten im Checkout (48 %): Wer den Versandpreis erst im letzten Schritt sieht, bricht ab. Versandkosten gehören auf die Produktseite.
  • Pflicht zur Kontoerstellung (26 %): Gastkauf ist Pflicht, keine Option. Wer ein Konto erstellen muss, kauft oft woanders.
  • Sicherheitsbedenken (25 %): Kein SSL-Zertifikat sichtbar, kein Trust-Signal, kein Impressum an prominenter Stelle — das kostet Conversions.
  • Zu langer Checkout-Prozess (22 %): Laut Baymard hat ein durchschnittlicher Checkout 23,48 Formularelemente. Optimal wären 12–14.
  • Unklare Rückgabebedingungen (16 %): Wer nicht weiß, ob er zurückschicken kann, kauft nicht.

Baymard schätzt, dass allein durch besseres Checkout-Design 35 % mehr Conversions erreichbar sind — das entspricht in der EU und den USA rund 260 Milliarden Dollar an sonst verlorenen Bestellungen. Kein Shop-System löst das automatisch. Das sind Entscheidungen beim Aufbau.

Was auf einer Produktseite wirklich verkauft

Technik und Design sind 20 % des Erfolgs. Die anderen 80 % sind Inhalte und Vertrauen:

  • Fotos aus mehreren Winkeln mit Größenvergleich oder Anwendungskontext. Herstellerfotos, die jeder Mitbewerber auch hat, reichen nicht.
  • Echte Kundenbewertungen. Shops ohne Reviews erzielen laut Spiegel Research Center (Northwestern University) bis zu 270 % weniger Conversions als Shops mit mindestens 5 Bewertungen. Das ist kein Tipp, das ist ein Conversion-Killer.
  • Versand und Rückgabe direkt unter dem Preis — nicht im Footer, nicht auf einer separaten Seite. Sofort sichtbar.
  • Ehrliche Produkttexte, die ein Problem lösen. Nicht „hochwertig und langlebig“, sondern warum genau dieses Produkt das Problem des Käufers löst.
  • Keine Pflichtregistrierung. Gastkauf als Standard, Konto als Option.

Und der Kanal, über den Leute überhaupt zum Shop kommen: Google. Lokale Sichtbarkeit, organisches SEO, Google Business Profile — das braucht Zeit, aber es ist der einzige Traffic-Kanal, der nachhaltig ohne laufende Werbekosten funktioniert. Wer darauf nicht von Anfang an optimiert, holt das später teuer nach.

Warum WooCommerce — nicht Shopify, nicht Wix

Wir bauen Shops seit WooCommerce 1.0. Nicht aus Gewohnheit, sondern aus einer einfachen Überlegung: Bei Shopify zahlst du dafür, dass sie es einfach machen. Dafür gelten ihre Regeln.

Das ist ein fairer Deal — für Leute, die keinen eigenen Server wollen und bereit sind, dauerhaft für die Bequemlichkeit zu zahlen. Für Unternehmer, die langfristig planen, individuelle Features brauchen oder ihre Plattform in fünf Jahren noch kontrollieren wollen, ist WooCommerce die bessere Wahl.

Bei WooCommerce zahlst du einmal für den Aufbau. Danach gehört die Seite dir. Eigene Checkout-Logik, eigene Zahlungsart, Integration mit Warenwirtschaftssystemen, eigene E-Mail-Automation — alles möglich, ohne dass eine Plattform dir sagt „das geht nicht“ oder „das kostet extra“.

Und ein praktischer Punkt, den viele vergessen: Wenn du WooCommerce-Entwickler wechselst, kannst du einfach wechseln. Die Daten, der Code, die Datenbankstruktur — alles ist offen und dokumentiert. Bei Shopify-Themes und Apps siehst du oft nicht mal, was unter der Haube passiert.

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Die Checkliste: Bevor du anfängst

Die Technik ist die letzte Entscheidung, nicht die erste. Beantworte diese Fragen, bevor du irgendeinen Anbieter anfragst:

  • Warum kaufen Leute bei dir und nicht bei Amazon? Wenn das nicht in einem Satz geht, ist der Shop noch nicht bereit. Das ist keine philosophische Frage, sondern die wichtigste Conversion-Grundlage.
  • Wie sieht deine Marge aus? Versand + Zahlungsgebühren + Retouren — was bleibt nach Abzug dieser Posten pro Bestellung übrig? Wer das nicht kennt, verkauft möglicherweise mit Verlust.
  • Wie wirst du gefunden? SEO braucht 6–12 Monate Anlaufzeit. Google Ads kostet sofort. Social Media braucht Konsistenz und Contentstrategie. Keins davon passiert von allein, und keins davon ist mit dem Shop-Launch erledigt.
  • Wie viele Produkte startest du? 20 sauber fotografierte, gut beschriebene Produkte verkaufen mehr als 200 halbfertige. Lieber klein starten und skalieren.
  • Was passiert bei einer Retoure? Prozess, Lager, Kundenkommunikation — das braucht ein System von Tag eins, nicht erst wenn die ersten Beschwerden kommen.
  • Wann soll der Shop rentabel sein? Realistisch: 6–12 Monate. Wer nach drei Monaten erwartet, dass der Shop sich trägt, plant zu knapp.

Wenn diese Fragen beantwortet sind, weißt du, ob du mit 2.000 € oder 8.000 € anfängst, ob ein Baukasten für den Start reicht oder du direkt mit WooCommerce aufbauen solltest, und was nach dem Launch deine eigentliche Arbeit ist: nicht Technik, sondern Marketing und Kundenpflege.

Das ist deine Antwort

Es gibt keinen universell richtigen Shop. Es gibt das System, das zu deinem Vorhaben, deiner Produktanzahl und deinem Budget passt — und das dir in drei Jahren nicht zum Problem wird.

Wenn du nach dieser Lektüre weißt, was du willst, und es selbst umsetzen kannst: gut. Wenn du einen Partner willst, der den Aufbau übernimmt und dich die ersten Monate begleitet: wir sind da. WordPress + WooCommerce, ab 5.000 €, mit voller Kontrolle über deine Plattform.

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Quellen:
– Baymard Institute: Cart Abandonment Rate Statistics, aggregiert aus 49 Studien, Stand 2025.
– Shopify Deutschland: Aktuelle Preise und Tarife, Stand Juni 2026.
– Spiegel Research Center / Northwestern University: How Online Reviews Influence Sales.
– W3Techs: Usage Statistics of WordPress, Stand 2025.
– Alle Kostenberechnungen basieren auf öffentlichen Anbieterpreisen und eigenen Projekterfahrungen (Rotblut Werbeagentur, Bietigheim-Bissingen).

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